Marokko — 7Dayes Nachrichtenagentur
In Rabat fand eine bemerkenswerte Konferenz statt, die sich mit der komplexen Beziehung zwischen Philosophie und Kino auseinandersetzte. Unter dem Titel "Philosophie und Kino... Schnittlinien und Nachbarschaftsfragen" versuchten renommierte marokkanische Denker und Forscher, die vielfältigen Verbindungen zwischen diesen beiden kreativen Disziplinen zu beleuchten. Die Veranstaltung, die am Freitag während des Internationalen Buch- und Kulturfestivals in Rabat stattfand, zielte darauf ab, zu ergründen, wie das Kino die Philosophie mit existenziellen Fragen speist und wie umgekehrt Filme philosophische Diskurse aufgreifen, um zum Nachdenken anzuregen.
Die philosophischen Wurzeln des Kinos
Der Philosoph und Akademiker Nourredine Affaya eröffnete die Diskussion mit der These, dass Filmemacher von Anfang an philosophische Themen bearbeitet hätten, auch wenn sie diese nicht explizit als solche bezeichneten. Er zitierte den französischen Philosophen Gilles Deleuze, der die filmische Bildsprache als anregend für die kreative Kraft beschrieb, da sie auf den Säulen der Bewegung und der Zeit basiere. Für Deleuze sei das bewegte Bild keine bloße Abbildung der Realität, sondern ein Werkzeug, das den Geist zur Rekonstruktion zwinge. Affaya betonte, dass Leben, Liebe, Tod, Raum, Zeit, der Andere, Politik und Macht universelle Themen seien, die sowohl die Philosophie als auch das Kino gemein hätten.
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Das Kino als Denkpartner
Mohamed Ichouika, Philosoph und Filmkritiker, präsentierte eine differenziertere Sichtweise. Er beschrieb die Beziehung als tief verwurzelt und oft ambivalent. Das Kino habe von seinen Anfängen an versucht, die großen Fragen der Existenz auf seine eigene visuelle Weise zu beantworten. Ichouika unterschied zwischen zwei philosophischen Lesarten des Kinos: die eine betrachtet Filme als bloße Träger philosophischer Ideen, die andere, die er als die anspruchsvollere ansieht, sieht das Kino als "Partner im Denken", der neue Fragen über das Selbst, den Anderen und die Welt aufwirft. Er verwies auf den amerikanischen Philosophen Stanley Cavell, der das Kino in die akademische Philosophie einführte und dessen Lektüre sowohl Kenntnisse der Philosophie- als auch der Filmgeschichte erfordere.
Die Herausforderung der künstlichen Intelligenz
Der Akademiker Said Labib, Professor für Philosophie, hob die Unterscheidung zwischen den Materialien des Kinos (Bilder und Töne) und den Werkzeugen der Philosophie (Konzepte) hervor. Er betonte, dass das Kino erst dann zu einem philosophischen Anliegen wurde, als Filme begannen, philosophische Fragen zu analysieren und zu diskutieren. Die aktuelle Herausforderung stellt die künstliche Intelligenz dar, die Bilder mit minimalem menschlichen Eingriff erstellen kann. Die Diskussionsteilnehmer wiesen darauf hin, dass viele Akteure im Bereich der KI aus philosophischen Hintergründen stammen und ihre Vorstellungen von Gesellschaft und Menschheit in die Technologie einfließen lassen. Die Konferenz schloss mit der Frage, wie diese neue Technologie die Philosophie dazu anregen wird, über das Bild nachzudenken – ein Bild ohne Auge dahinter, eine Zeit ohne erlebenden Körper.